"Die lange Welle hinterm Kiel" am 4.1.2012 in ARD und ORF

Mario Adorf im Interview

Die reinen Schurkenrollen haben Sie schauspielerisch hinter sich gelassen. in „Die lange Welle hinterm Kiel“ geht es sogar zentral darum, dass Gut und Böse oft gar nicht so eindeutig auszumachen sind.
Ja dieser Aspekt hat mich gereizt, diese Gleichzeitigkeit von zwei Möglichkeiten, je nach Blickwinkel. Ich habe mich schon immer gewundert über Leute, die kategorische Urteile fällen und ihre Meinung dann nie wieder ändern. Die sagen dann: Das ist Charakter, wenn man sich treu bleibt. Aber manchmal bleibt man ja vielleicht einfach nur der eigenen Dummheit treu. Ich möchte an der Rolle zwar nicht, dass das ein ganz alter Mann ist, der am Stock geht, das spielt man natürlich nicht so gerne. Aber ich habe es gemacht, weil mir die Thematik von Pavel Kohout einleuchtete, diese Schuldfrage.

Es geht um die deutsch-tschechische Aussöhnung. Ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Ich kann nicht sagen, dass es mir besonders am Herzen lag, aber ich war mit bewusst, dass es da ein nicht aufgearbeitetes Kapitel deutsch-tschechischer Geschichte gibt.

Die Geschichte spielt ja auf einem Kreuzfahrtschiff. Wie waren die Dreharbeiten?
Die Reise begann harmlos. Venedig, Korfu, Kreta, Santorin, alles war ganz normal. Und dann stellte sich heraus, dass die Schifffahrtslinie Insolvenz angemeldet hatte und der ursprüngliche Eigentümer des Schiffes, ein Grieche, in Griechenland schon ein Schwesterschiff von der Polizei beschlagnahmen ließ. Da bekam man natürlich Angst, dass das mit unserem Schiff genauso passiert, und wir mussten schleunigst griechische Hoheitsgewässer verlassen.

Wie ging es dann weiter?
Wir sind um den ganzen Peloponnes gefahren bis nach Zadar in Kroatien. 41 Stunden am Stück, dort haben wir den Film dann zu Ende gedreht. Später sind wir in Venedig von Bord gegangen, und dort wurde das Schiff dann tatsächlich auch beschlagnahmt.

Wie haben eigentlich die normalen Passagiere reagiert, als plötzlich die Start Mario Adorf, Veronica Ferres und Christiane Hörbiger mit an Bord waren?
Wir mussten da und dort Autogramme geben, aber die Leute waren sehr nett. Wir haben unsere Arbeit allerdings überwiegend neben den eigentlichen Tagesablauf der Touristen absolviert, zum Beispiel oft nachts gedreht, wenn die schliefen.


(Quelle: Interviewauszüge aus Wormser Zeitung und Mona Film)

Mehr Informationen zum Film "Die lange Welle hinterm Kiel"

03.01.2012


 

zurück