Aufgespießt: "Die lange Welle hinterm Kiel"
Exquisites Quartett"Man musste einfach ans Traumschiff denken, als die Passagiere vorfuhren und der Confèrencier an Bord über die oberen Zehntausend ablästerte. Doch das ARD-Drama nach Pavel Kohouts Roman und nun auch Drehbuch blieb nicht so heiter. Dafür sorgte das Schuld und Sühne-Thema, das Kohout hier behandelte mit Hilfe eines exquisiten Darsteller-Quartetts. Ließ ihr exzentrisches Auftreten als Unternehmerin Margarete Kämmerer anfangs eine der üblichen Rollen für Christiane Hörbiger erwarten, so wandelte sich Hörbiger im Laufe der Handlung glaubwürdig zu jener tief erschütterten Frau, die ausgerechnet an Bord an den Mörder ihres Mannes traf. Mario Adorf, als Martin Burian eine wuchtige Erscheinung, sprach den zentralen Satz des Filmes: dass bei der Beurteilung eines Ereignisses der persönliche Blickwinkel zählt. Für ihn, den Tschechen, stellte sich die Erschießung des strammen Nazis und Ehemannes von Margarete 1945 im Sudetenland als Akt der Befreiung dar und die Begegnung an Bord als Gelegenheit zur Aussöhnung, wenn auch mit unerwarteter Konsequenz. Das berührte und ließ die Probleme von Martins lebensmüder Schwiegertochter (Veronica Ferres) läppisch wirken. Christoph Letkowski, als Margaretes Neffe Sigi auch von einem inneren Konflikt geplagt, übernahm als jugendlich-forscher Vermittler eine wichtige Funktion, der Letkowski durch unaufgeregtes Spiel gerecht wurde. Ein stiller Film., der lange nachwirkt."
(Quelle: Westfälische Nachrichten 05.01.2012)
Mehr Informationen zum Film "Die lange Welle hinterm Kiel"
17.01.2012
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